»Grundlagen der Gesellschaftskritik – part two«
Moers · Mai·Juni·Juli · 2011
11. Mai 2011 · 19.00 | »Antiamerikanismus«
08. Jun. 2011 · 19.00 | »Die Agenda der ‚Israelkritiker‘«
06. Jul. 2011 · 19.00 | »Sexismus«
*alle Veranstaltungen finden statt im
Bollwerk 107
Homberger Str. 107, 47441 Moers
11. Mai 2011 · 19.00 | »Antiamerikanismus«
»An enemy of the people? – Der Hass auf die USA und seine deutschen Protagonisten
Wenn die ehemals unter dem Label ‚Nationaler Widerstand Dortmund‘ agierenden Neonazis für den 4.9.2010 zum wiederholten Male ihren ‚nationalen Antikriegstag‘ abhalten, geht es ihnen vor allem um zwei Dinge: Man möchte sich ‚gegen Krieg und Kapitalismus‘ positionieren, zwei Phänomene, die auch von Linken als abschaffenswert betrachtet werden. Betrachtet man den Aufruf der Organisatorinnen des ‚nationalen Spektakels‘ allerdings genauer, so fällt schnell auf, dass die Identifikation derer, die für derlei Phänomene verantwortlich sind, für die neuen Nazis schnell ausgemacht ist: Obwohl die Vereinigten Staaten von Amerika, ganz ohne Zweifel der geopolitische Player des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts schlechthin, nicht ein einziges Mal namentlich genannt werden, scheinen sie das Hauptziel der nur vordergründig friedliebenden Nazis zu sein.
Der von den westlichen Staaten und damit letztlich unter Federführung der USA ausgehende ‚Geist des Liberalismus‘ sei es, der danach trachte, die ‚Völker abzuerkennen‘ und der ‚Krieg in Afghanistan und bald auch im Iran‘ führe. Man versteigt sich sogar – in kaum mehr zu übersehender Leugnung der historischen Realität – zu der Behauptung, die westlichen Alliierten seien aus ‚wirtschaftsimperialistischen Gründen‘ in den Krieg gegen das dritte Reich gezogen, ganz so, als habe nicht umgekehrt Deutschland den USA im Dezember 1941 den Krieg erklärt. Während die offen revisionistischen Tendenzen des Aufrufs – etwa das vehemente Bestreiten deutscher Kriegsverbrechen oder aber die im antiimperialistischen Gestus und mit Begrifflichkeiten wie ‚Verwertungsmaschine‘ daherkommende Argumentation gegen ‚den Liberalismus‘ – in der Mehrheitsgesellschaft in einer derartigen Ausformulierung nur wenig Konsenspotenzial besitzen dürften, ist der von den Nazis proklamierte Hass auf die USA schon eher in Kongruenz mit den Ansichten einer relevanten Bevölkerungsmehrheit zu bringen, wenn sich auch konstatieren lässt, dass die antiamerikanischen Standpunkte nicht immer aus denselben Pseudo-Einsichten und Meinungen entstehen.
Nicht der erste deutsche Angriffskrieg nach 1945 nämlich war es, der zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung 1990 wieder für bundesweite Massenproteste sorgte, sondern der Beginn des dritten Golfkriegs. Und kein Politiker durfte sich des Hasses einer grossen Mehrheit der Deutschen so sicher sein wie George W. Bush, der sich von Vertreterinnen beinahe jedes politischen Spektrums die abstrusesten Vorwürfe anhören durfte, die bis zum direkten Vergleich zwischen ihm und Adolf Hitler reichten. Die USA sind ihren Feinden alles Schlechte in einem: Sie verbreiten weltweit ihre ’schreckliche Kultur‘ und all die dazugehörigen Erzeugnisse, während die US Army als militärische Speerspitze des vermeintlich omnipräsenten US-Imperialismus ein autochthones Volk nach dem nächsten unterjocht, immer angetrieben von einer mächtigen, im Hintergrund agierenden Finanz- und Industrielobby, der es nur um die Mehrung ihres Profits geht, ganz so, als seien die Vereinigten Staaten das einzige Land auf der Welt, in dem der Kapitalismus die Mechanismen des Marktes und damit auch das Verhalten der Teilnehmerinnen an selbigem bestimme.
Im Vortrag soll gezeigt werden, in welchem zum Teil absurd anmutenden Formen der Antiamerikanismus in Deutschland zu Tage tritt und bereits getreten ist. Dabei wird vor allem auch der Frage nachgegangen, inwiefern sich Ueberschneidungen in den unterschiedlichen Argumentationsmustern, je nach politischem Standort der ihn Äußernden, feststellen lassen. In Zeiten, in denen Michael Moores Bücher zu Bestsellern mutieren und ein erschreckend hoher Prozentsatz der Menschen überzeugt davon ist, dass am 11. September die CIA zumindest ihre Finger mit im Spiel hatte, ist der Antiamerikanismus zu einem der wenigen ideologischen Versatzstücke geworden, das die meisten Deutschen noch miteinander teilen.«
08. Jun. 2011 · 19.00 | »Die Agenda der ‚Israelkritiker«
»Die Agenda der Israelkritiker – Vortrag und Diskussion mit Alex Feuerherdt (Bonn)
Im Auftrag der Uno erarbeitet und veröffentlicht eine Untersuchungskommission unter dem Vorsitz des Juristen Richard Goldstone einen Bericht, der eine fast 600 Seiten dicke, vehemente Anklageschrift gegen Israel ist und die terroristische Hamas im Wortsinn aus der Schusslinie nimmt. Die populäre Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezichtigt den jüdischen Staat in einer umfangreichen Broschüre wahrheitswidrig, den Palästinensern das Wasser zu stehlen und sie dadurch an den Rand des Verdurstens zu bringen. Nahezu alle westlichen Politiker betrachten nicht die Hamas und die Fatah, sondern die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten als ‚Haupthindernis für den Frieden im Nahen Osten‘ und sind hellauf empört, wenn ihnen die Frage gestellt wird, warum Juden in einem prospektiven palästinensischen Staat eigentlich nicht leben dürfen sollen.
Wie kommt es, dass Israel immer wieder dämonisiert und ihm de facto das Recht abgesprochen wird, sich gegen seine Feinde zur Wehr zu setzen? Warum wird diesen Feinden so viel Verständnis gezollt oder gar Sympathie entgegen gebracht? Weshalb ist die so genannte Israelkritik vor allem hierzulande so ungeheuer beliebt, was treibt sie an, und wie erklärt es sich, dass insbesondere jüdische ‚Israelkritiker‘ wie Avraham Burg eine so überaus breite Resonanz erfahren?«
Alex Feuerherdt*
*Alex Feuerherdt ist freier Autor und lebt in Bonn. Er schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zum Thema Nahost, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, Konkret, den Tagesspiegel und die Jungle World.«
06. Jul. 2011 · 19.00 | »Sexismus«
»Sexismus beschreibt die Diskriminierung und Unterdrückung von Menschen aufgrund ihrer Geschlechterzugehörigkeit. Alles was damit zusammenhängt, Geschlechtlichkeit und sexuelle Ausrichtung, ist von Geschichte und Sozialisation geprägt. Wie in der gesamten Gesellschaft ist dieser Bereich auch von Herrschaftsverhältnissen bestimmt, die zwar veränderbar, aber in einigen ihrer Grundzüge beständig sind. Dazu gehören die Heterosexualität als gesellschaftliche Norm und die Einteilung in die zwei angeblich biologisch eindeutigen Geschlechter, aufgrund welcher Menschen unterschiedlich privilegierte Orte in der Gesellschaft zugesprochen bekommen. Zwar wurde schon einiges erreicht, doch Geschlechterrollen und –zuschreibungen spielen im alltäglichen Leben eine zu große Rolle. Das alles macht es notwendig, sich mit Sexismus auseinanderzusetzen. Der Vortrag möchte daher eine Einführung in die verschiedenen Erklärungs- und Denkmuster, die sich mit dem Begriff ‚Sexismus‘ und seiner historischen Entstehung beschäftigen, geben. Hierbei werden die verschiedenen Ansätze des (hist.) Marxismus, Differenzfeminismus, Biologismus und der neueren Genderbewegung angerissen.«